Richtig gut backen - Christian Hümbs
DK Verlag
Darf ich mich outen? Ich bin eine sehr ungeduldige Bäckerin, es sein denn es geht um reine Schokoladentorten mit unterschiedlichen Cremes, Überraschungsfüllungen, unterschiedlichem Mouthfeeling, wie Herr Migoya zu sagen pflegt. Halt Torten, die frickelig sind und meinen Ehrgeiz packen. Aber ansonsten? Bin ich seeeeehr ungeduldig. Irgendwie ein wenig komisch, wenn man bedenkt, dass die Herstellung von Pralinen ähnlichen Richtlinien folgt. Irgendwie blende ich diese Regeln beim Backen derart erfolgreich aus, dass ich dann auch mal sowas wie diesen dekonstruierten Birnen-Schokoladenkuchen fabriziere. Stückchen gefällig? ![]()
Aber es kommt Abhilfe in Form eines neuen Backbuches, vor dem ich doch recht sketisch stand. Richtig gut backen ist halt mal eine Ansage, oder? Aber um es ganz kurz vorwegzunehmen. Der Titel passt. ![]()
Christian Hümbs, mehrfacher Patissier des Jahres, Chef-Patissier des Hotels Vier Jahreszeiten in Hamburg und Juror in der SAT-1 Sendung Das große Backen, hat in seinem gerade erschienen Backbuch seine Lieblingsrezepte aus der Patisserie zusammengefasst. Seit dem 24. September 2015 steht sein Erstlingswerk nun in den Regalen unserer liebsten Buchhandlung.
Buchbesprechung
Christian Hümbs
Erschienen im Dorling Kindersley Verlag
Format: 19,5 * 25,4 cm, Hardcover
224 Seiten
Fotographie von Jan Brettschneider
Fotostyling von Christian Hümbs
ISBN: 978-3831027859
Preis: 24,95€ (D), 25,70€ (A)
Normalerweise beschreibe ich jetzt an dieser Stelle ausführlich die Haptik des Buches, wie mir Cover und die Haptik des Buches gefallen usw. usf. Ich mach das jetzt auch mal, aber nur ganz kurz. Wenn Du das Buch Das große Backen vor Dir liegen hast, hast Du von der Verarbeitung ein klassisches Backbuch ohne viel Chichi. Das ist jetzt nicht negativ gemeint, bitte nicht falsch verstehen. Es geht mir eher darum, dass das Buch arbeitstauglich ist. Und das erwarte ich hier. Es ist nicht mit einem hochglänzenden Druck versehen, bei dem Du Angst haben müsstest, dass jeder noch so kleine Fingerabdruck das Cover entweiht. Das Cover kommt matt daher und zeigt den Autor mit typischen Utensilien, die man automatisch mit Backen verbindet – einem Küchlein und einem Schneebesen. ![]()
Das Papier des Buches ist gut ausgewählt. Es ist ebenfalls matt, hat eine gute Haptik und es spiegelt nicht, wenn das Küchenlicht ungünstig auf die Seiten des Buches fällt. Die gute Lesbarkeit, auch zur Abendstunde, ist damit gegeben. Durch das gewählte Format kann man das Buch auch während des Backens gut in der Küche liegen haben.
Das Buch selber ist wie folgt unterteilt:
- Vorwort
- Einleitung
- Schnell & Einfach
- Internationale Klassiker
- Aus der Heimat
- Aussergewöhnlich & Ausgefallen
- Beeindruckendes für Meisterbäcker
- Grundrezepte, Bezugsquellen, Dank, Wichtige Hinweise
- Register
Wenn Du auch zu den eher ungeduldigeren Bäckern gehörst, empfehle ich Dir trotzdem die Zeit zu nehmen und die Einleitung zu lesen. Und zwar ganz. Ich habe mich oft leicht ertappt gefühlt. Christian gibt hier wichtige Hinweise, wie man an das Backen eines Rezeptes herangeht. Eigentlich sind es sehr logische Punkte, wie Rezept vorher ganz lesen - gerne auch zweimal, alle Zutaten da haben, Zutaten bereitstellen, genug Zeit einplanen, Ruhezeiten der einzelnen Komponenten einhalten, etc.
(c) Dorling Kindersley Verlag
Ein weiterer wichtiger Punkt, den Christian auch in seiner Einleitung anspricht ist die Qualität der Zutaten. Du kannst Dich noch so sehr anstrengen und einen handwerklich gelungenen Kuchen backen. Wenn die Qualität der Zutaten nicht stimmt, hast Du nur die halbe Freude an Deinem Backwerk, wenn nicht sogar weniger. Christian, danke für diese klaren Worte!
Nachdem ich mich nach dem Lesen der Einleitung nun leicht ertappt fühlte, ging es endlich zu den Rezepten, dem Herzstück eines jeden Koch- und Backbuches. Wenn ich mir ein neues Patissier- oder reines Backbuch anschaue, kommt schnell der Punkt, an dem ich das Buch kurz aufs Sofa lege, um Post-Its zu holen, um interessante Rezepte zu markieren. Kurz gesagt, ich bin bereits nach dem vierten Rezept in mein Kochbuchzimmer verschwunden, um meine Post-Its zu holen. Das spricht für das Buch. ![]()
Die Rezepte sind klar in Zutaten und Zubereitung gegliedert. Die Zutatenliste unterteilt sich in Für den Teig, Für das Topping bzw. Für die Füllung und Außerdem. In Außerdem wurden Dir die notwendigen Utensilien aufgelistet, die Du für diesen Kuchen oder die Muffins oder so benötigst. Als Trenner zwischen Zutatenliste und Zubereitung kommen die für mich immer sehr wichtigen Angaben: Menge, Zubereitungs-, Ruhe- und Backzeiten!
(c) Dorling Kindersley Verlag
Die Zubereitung ist gegliedert in 1., 2., 3., ... Die Beschreibung der einzelnen Handlungsschritte ist klar, verständliche und dennoch nicht ausschweifen geschrieben. Ich mag Sätze wie "Die getrockneten Apfelringe in kleine Stücke schneiden." Die Beschreibungen sind daher auch sehr gut für Backanfänger geeignet. Ab und an findet man auf der Rezeptseite in grauer Schrift einen wirklich hilfreichen Tipp passend zum Rezept. Es kann sich hier sowohl um Verarbeitungstipps, Rezeptabwandlungen und Aufbewahrungstipps handeln. Ich finde, das ist ein schönes kleines Extra.
Nun kurz zu den Fotos. Die Fotos sind recht klar aufgebaut und leicht verspielt. Sie sind aber nicht zu verspielt, so dass sich auch bekennende Foto-Minimalisten wohlfühlen, die am liebsten das Backwerk pur auf weißem Hintergrund abgelichtet haben. Ich bin so ein Spezialfall. Die Fotos sind appetitanregend und regen zum Nachbacken an. Ziel also klar erfüllt. ![]()
Am Ende des Buches gibt es einige kleine Basics, wie Grundrezepte für Blätter- und Plunderteig. Wichtige Informationen, wie z. B. zu den verwendeten Fruchtpürees, befinden sich hier ebenfalls. Auch wenn sich diese Hinweise ein wenig verstecken, empfehle ich Dir auch diese unbedingt zu lesen. Das Register am Ende des Buches ist übersichtlich und man kann auch schnell nach Hauptzutaten suchen, z. B. Schokolade. ![]()
Und wie gut sind die Rezepte? Ich habe ein wenig testgebacken, um dies zu beurteilen. Es gab bei uns die Milchschnitte (eine Kindheitserinnerung) und einen schwedischen Mandelkuchen. Letzteren habe ich sogar zweimal gebacken. Nicht, weil er nichts geworden ist, sondern weil ich ihn einfach mag.
Die Rezepte funktionieren gut. Die Abfolge der Arbeitsschritte passt, die angegebenen Zeiten stimmen und die Kuchen schmecken. Ich hatte einige Testesser, die mir das bestätigt haben. ![]()
Einen kleinen Wermutstropfen hatte ich allerdings auch. Bei der Milchschnitte passt die Menge der Creme nicht. Irgendwie hatte ich nach der Fertigstellung des Kuchens noch recht viel davon übrig. Da die Creme aber locker-luftig leicht ist, dann man daraus schnell noch ein kleines Dessert für Zwei zaubern. Man beachte hier die wichtigen Hinweise zum Biskuitteig am Ende des Buches...
Mein Fazit zum Buch?
(c) Dorling Kindersley Verlag
Hast Du oben den Preis des Buches gesehen? Der Preis ist für den gebotenen Inhalt der Hammer. Für 25€ bekommst Du eine richtig gute Rezeptsammlung mit wirklich funktionierenden Rezepten, für die Du zu vielen Rezepten alle Zutaten daheim hast. Du kannst also spontan loslegen und viel Backfreude haben. Für mich ist es ein sehr gutes Basic-Backbuch, aus dem ich bestimmt noch viel Backen werde. Nächste Woche muss ich z. B. meine Kollegen mit Kuchen versorgen, ist halt einmal im Jahr so. Da wird es dann Cheesecake-Muffins und Erdnussbutter-Brownies geben. Nicht nur mit Schokolade in Pralinenform kann man Leute glücklich machen, Kuchen geht auch!
Schokoladige Grüße ![]()


